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Freitag, 2. Oktober 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 02. Oktober 2014


Den Rum Trader habe ich schon relativ früh mit Freund Dorin kennengelernt, aber ob wir Einlaß bekommen haben oder nicht, keine Ahnung. 

Das wars dann aber auch schon mit dem Rumtrader und mir.  


 

Aber was wußte, der junge Hans schon, wem er da begegnet ist. Herrn Hans August Schröder, dem Gründer des "INSTITUT FÜR FORTGESCHRITTENES TRINKEN". Der Mann der mutmaßlich Ian Flemming den berühmten Martini serviert hat. Gerührt und nicht geschüttelt.  

 

2001 eröffnete Michel Würthle neben der Paris Bar das Schwester Lokal Le Bar du Paris Bar.

Als Barchef wurde Gregor Scholl engagiert.

Auf meinen nächtlichen Streifzügen durch den Wilmersdorfer/Charlottenburger Kiez wurde die Le Bar du Paris Bar zum fester Anlaufpunkt. Die Gespäche mit Herrn Scholl waren immer ein reines Vergnügen. 

Ich kann leider nicht mehr nachvollziehen ab wann Herr Scholl nicht mehr in der Bar beschäftigt war. Auf meine Frage wo es ihn denn hingezogen hat, erwiderte man mir - er habe den Rumtrader übernommen.

Rumtrader, ist das nicht dieser kleine Laden Ecke Ludwigkirch/Fasanen. Das liegt doch genau in meiner "Heimflugschneise".

Am selben Abend gleich vorbei geschaut. Herr Scholl öffnet die Türe und ein freudiges "Herr Brückner, schön Sie zu sehen!" begrüßte mich.

Welchen Getränkewunsch haben Sie?

Einen Wodka auf Eis, bitte schön. (es ist eine Unverschämtheit in einer auf Rum spezialisierten Bar ein solch profanes Getränk zu bestellen).

Gerne Herr Brückner!

Die Bar war voll und wenn ich sage sie war voll, dann war "Maxium Capacity 100" als Warnschild nicht mehr zu sehen. In meiner Zeit hinter dem Tresen hatte wir 36 Personen im Raum und ich glaube an diesem Abend war es ähnlich gefüllt.

Das Getränk dauerte und dauerte. Als erfahrener Gastronom wußte ich, jetzt nicht drängeln, das kann Konflikte geben. Also war Geduld angesagt. Irgendwann bekam ich mein Getränk.

Herr Brückner, Ihre Stufe 2!


Zur Erklärung: Im Rumtrader gibt es 4 Rum Cocktails, in unterschiedlicher Stärke des Alkoholgehaltes. Wie anzunehmen ist die Stufe 1 die Leichteste, Stufe 2 geht gut und schnell ins Blut, die Stufe 3 hatte ich einmal mit meinem guten Freund Dr. Z versucht und ich kann nur für mich sprechen.....es war heftig und der Ärmste mußte am nächsten Tag auch noch mit dem Auto in den Urlaub fahren. Die Abreise verzögerte sich. Nun zur Stufe 4, sie hat den Beinamen "Charité" und ich glaube hier müssen wir nicht mehr weiter sprechen. Ich habe sie nie serviert und meines Wissens hat auch Herr Scholl davon Abstand genommen.

Dieses "Wodka auf Eis" Spiel wiederholte sich über mehrer Wochen, bis ich "klein beigegeben" habe und mich einfach meinem Schicksal mit der Stufe 2 ergab.

Jahre später an einem Samstag morgen nach einer turbulenten Schicht beim Lüpfen eines kleinen Cognacs und einen Glas Bollinger klärte sich dieses Mißverständis auf.  

Anfang September 2014 bin ich von Herrn Scholl gefragt worden ob ich nicht am Samstag die Türe machen könnte, es würde ihn sehr entlasten. Also übernahm ich an diesem Samstag, den sogenannten "Ehrendienst", der nur von zuverlässigen Stammgästen übernommen werden konnte.

Am 2. Oktober 2014 machten wird dann Nägel mit Köpfen und ich übernahm auf 450,--€ Basis diesen Dienst, es wurden vier wunderbare Jahre. 

Unvergessen sind mir auch die vielen Lesungen die ich Rum Trader veranstalten durfte. Angefangen von Heimito Doderes Betrachtung zum Rauchen über Gottfried Benns Gedichten zu Ankalina Dahlems
"In der Ferne taucht der Okotopus"
.


Und wer ein bißchen Recherche in der New York Times betreibt wird Herrn Scholl und mich in einem süffisantem Verriss finden. Der Kollege der mit den Journalisten Kontakt hatte war nicht lange im Hause tätig. Wir mußte sehr schmunzeln. 

 

 

Anfang Dezember 2018 war dann Schluß für mich im Rum Trader. Die doppelte Belastung mit Fahrdienst und Nachtschichten hinterließen bei mir Spuren.

Auch heute gehe ich noch gerne auf dem "Heimflug" gerne in den Rum Trader auf ein "Personalgetränk" in meinem Silberbecher. 


 P.S. 

auch das Hoo Koo E Koo war Gast, aber das wird glaube ich noch eine ganz andere Geschichte werden mit dem Rad und den Bars Berlin!


 

Dienstag, 3. April 2018

AprilLesung im Rum Trader

8. Mai [1945]

"Den Norwegern ist zu gratulieren." Nach längerem Ausgang kehr' ich nachmittags in mein Zimmer zurück. Ich mußte zu Fuß gehen - und es war der Mühe wert, denn ich habe mir hundert Zigaretten, Tabak und Zigarren geholt, was alles plötzlich pro Mann und Nase gratis zur Ausschüttung gekommen ist, Zeichen der Zeit im genausten Verstande! - ich mußte zu Fuß einen weiten Weg, denn die Tramway war überfüllt und später ganz eingestellt, der offiziellne Sieges- und Friedensfeier wegen. Alle Glocken läuteten, zehntausende Fähnchen winkten, die Straßen wimmelten von Menschen … ich ging ganz unbehelligt, eine Aktentasche unterm Arm. Einmal lachte mich ein norwegischer Arbeiter freundlich an und winkte mir zu, einen Abschiedsgruß, und zum anderen Mal entschuldigte sich ein junger Herr überaus höflich, der mich im Gedränge angestoßen hatte. Das ist Europa. Das sind die Convenus, die nur bei freien Völkern - darunter versteh' ich solche, wo der Einzelne frei leben kann - gedeihen und so tief verwurzeln, daß auch die Alteration sie nicht zu lockern und auszureißen mag.

Dienstag, 27. Februar 2018

MärzLesung im Rum Trader



....in der Ferne taucht der Oktopus

Der Oktopus ist scheu. Ich wollte ihn unbedingt fangen. Tauchte und tauchte immer wieder hinterher. Durch brausende Wellen, hoch wie Gebirge und gigantische Strudel, über klares Wasser und durch dunkelste Höhlen zog er mich. Bevor er im tiefsten Dunkel des Ozeans verschwand, ließ er mir von jedem seiner acht Fangarme eine Geschichte zurück.



Sonntag, 28. Januar 2018

FebruarLesung im Rum Trader


Jetzt kommt aber der große Kladderadatsch

Bankinstitute sind Institute, die ich eigentlich gar nicht kenne. Wenn aber mein Rad geht, so werde ich sie kennen lernen. Aber - das wird keine angenehme Bekanntschaft werden.
Man wird mir eben nicht wohlwollend begegenen. Denn - ich bin es schon gewohnt - wenn ich irgendwo auftauche, so erscheint gleich hinter mir die große Pleite. Und in dem Falle, daß das Rad geht, sind alle Bankinstitute - alle - zweifelsohne der großen Pleite ausgeliefert.
Wenn die Kohle plötzlich wertlos ist, verlieren die Banken Milliarden.---
Auch die kostspielige Automobilindustrie ist plötzlich wertlos.
Und dann müssen die größten sozialen Umwälzungen folgen. Alle Revultionäre werden jubeln und jauchzen und sich fürchterlich betrinken.


Montag, 1. Januar 2018

Neujahrslesung im Rum Trader


Die Tretmühle

Du steigst ins Auto,
fährst zur Arbeit,
und dort sind wieder Fremde, die meisten
ebenfalls mit jemand verheiratet,
und in der Tretmühle, unterm Fallbeil,
finden sie noch Zeit miteinander zu
flirten, Witze zu machen, sich gegenseitig
in den Arsch zu kneifen, gelegentlich mal
irgendwo einen Stehfick durchzuziehen--
zuhause gehts nicht--
und dann wieder
die Fahrt nach Hause,
das Warten auf Weihnachten, auf den 1. Mai,
auf den Sonntag,
oder sonstwas.


Charles Bukowski

Freitag, 24. November 2017

DIE Lesung zum 1. Advent


Wo könnte das Christkind geboren sein, frage ich. Die heilige Familie hat kein Geld, und es wäre bestimmt falsch zu glauben, die Hotelbesitzer handelten heute christlicher als vor zweitausend Jahren.

aus Silvio Blatters "Weihnachtsgeschichte".

Dienstag, 31. Oktober 2017

Die Sonntagslesung im Rum Trader



Destille

Es gibt Melodien und Lieder,
die bestimmte Rhythmen betreun,
die schlagen dein Inneres nieder
und du bist am Boden bis neun.

Meist nachts und du bist schon lange
in vagem Säusel und nickst
zu fremder Gäste Belange,
durch die du in Leben blickst.

Und diese Leben sind trübe,
so trübe, du würdest dich freun,
wenn ewige Rhythmenschübe
und du bliebest am Boden bis neun.

Eintritt frei.


Reservierungen unter rumtrader@der-hans.com