Das Jahr 1983 war geprägt von vielen Veränderungen. Privat als auch beruflich zeichneten sich schon zu Jahresbeginn große Umbrüche ab. Aber zu den Anfängen später mehr.
Am 03. Oktober war Reisetag ins Bundeswehrkrankenhaus Ulm, der Sanitätslehrgang V stand an, die fachliche Ausbildung zum Anästhesie Feldwebel.
Der 04. Oktober war gespickt mit den bei der Bundeswehr gebräuchlichen Rundgängen um Dinge in Empfang zu nehmen oder sich irgendwelche Unterlagen abzuholen oder selbige abzugeben.
Im August erlitt meine damalige Freundin einen herben Verlust. Ihr geliebter Bruder suizidierte sich. Die daraus entstandenen Verwirrungen und Irrungen führten bei uns zur Trennung, die eigentlich schon viel früher sich abzeichnete.
Ich geschockt vom Tod und der darauf erfolgten Trennung verlor komplett den Halt und es zog mich unaufhaltsam in eine Spirale nach unten.
Zu meinem Glück hatte ich den Sommer über schon die grundlegenden Dinge der Anästhesie im Bundeswehrkrankenhaus München kennen gelernt und in der Praxis anwenden können. Ohne diese Ausbildung wäre ich nicht durch den fachlichen Teil der Feldwebelausbildung gekommen und die acht Jahre für die ich unterschrieben hatte wären für mich zu einem Disaster geworden.
Insofern ist meine Erinnerung an diese drei Monate in Ulm sehr bruchstückhaft.
Wo das Unteroffiziersheim lag kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber die unzähligen Beschleuniger (Cola/Cognac Gemisch 1zu1), sowie mehrer Filmrisse sind nicht ohne Spuren geblieben. Es gab Ermahnungen zur Pünktlichkeit und die Androhung vom Leergang supendiert zu werden.
Am Tag unserer Ankunft kam es zum schwersten Schießunfall der Bundeswehr bis zu diesem Zeitpunkt. Auf dem Truppenübungsplatz Münsingen wurde auf Grund einer Fehlkommunikation eine Mörsergranate in die Zuschauertribüne geleitet.
Viele Verletzte wurden mit Hubschraubern ins nahe gelegene BwKrHs Ulm, sowie in die UniKlinik Ulm geflogen.
Bei einigen der Verletzten war ich später noch im Op als Narkosepfleger tätig.
Sehr gut im Gedächtnis ist mir noch Kamerad "Leo", der mich an einem Freitag morgen auf der Intensivstatiom um 7 Uhr hätte ablösen sollen. Er kam nicht, war auch nicht auf seiner Stube. Der Gute hatte knapp 20 Minuten vom Krankenhaus gewohnt. Freitag morgen war er als Beifahrer mit einem weiteren Kameraden unterwegs von zu Hause auf spiegelglatter Straße ins schleudern gekommen und schwer schädelhirntraumatisiert worden. Unangeschnallt ist er mit der rechten Schädelhälfte auf die A-Säule geprallt. Es war ein komisches Gefühl ihn am nächsten Tag auf der Intensivstation zu versorgen.
Und jetzt wo ich diese Zeilen schreibe kommen mir doch noch ein paar Ereignise in den Sinn.
Weshalb ist es ratsam sich Einmalhandschuhe anzuziehen wenn ein Patient der beatmunspflichtig ist umgelagert wird?
Genau, es kann sehr schmutzig werden.
Wie ging nochmal das Schlußlied aus "Das Leben des Brian"?
Genau, die Freitag Abende vor dem Videorekorder 2000.
In der Buchhandlung am Ulmer Münster sich das Buch "Schöne neue Welt" zu kaufen, um dann festzustellen, daß es mit schön nun wirklich nix zu tun hat.
Die sonntäglichen Autofahrten von Würzburg nach Ulm auf komplett verschneiten Straßen.
Und das durch die Gegend huschen wie ein kleines frisch geficktes Eichhörnchen.
Ich bin durchgekommen. Ich glaube das war es worauf es für mich zu diesem Zeitpunkt ankam ohne zu wissen was es heißt anzukommen, aber dazu gibts später wirklich mehr.
Fotos aus dieser Zeit gibt es keine, denn wir hatten ja nix....Zwinkersmiley.
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