Schau mal da vorbei, die suchen immer. Gesagt getan und in der Kolonenstraße bei Trend Test mich zum Vorstellungsgespräch angemeldet.
Der Raum war aufgeteilt wie eine Schulklasse, vom Arbeitsplatz ausgesehen saß vorne links der Schichtleiter und wir an unseren Einzeltischen vor ihm.
Kurze Einweisung, dann einen halben Tag neben einer erfahren Interviewerin gesessen und gelauscht wie man Informationen am Telefon rauskitzelt.
Headset auf und los gehts.
Meine erste Umfrage hatte zum Inhalt, ob sich der Bundesbürger vorstellen kann mit einer fünfstelligen Postleitzahl umzugehen. Die Fragestellung der einzelnen Fragen war immer so angelegt, daß der Interviewte sich garnichts anderes mehr vorstellen konnte als eine fünfstellige Postleitzahl. Komisch...
Bei allen meinen Umfragen kam exakt genau das gewünschte Ergebnis des Auftraggebers heraus. Es ist eine sonderbare Welt in der wir leben.
Die Hauptzeit der Umfragen war immer ab 16 Uhr und ging bis 22 Uhr.
Beliebte Frage des Angerufenen war: wie kommen Sie an meine Telefonnummer?
Beliebte Antwort: aus dem Telefonbuch.
Viele Angerufene fühlten sich durch unsere Umfragen gestört und reagierten oft sehr heftig. Das schlug natürlich auch bei uns auf die Laune. Heute kann ich beide Seiten sehr gut verstehen, die die Angerufen wurden fühlten sich belästigt und uns gings einfach nur darum die Miete zu bezahlen.
Die Tätigkeit bei Trend Test ging, soweit ich mich erinnern kann bis Anfang 1992 und dann ist es im Sande verlaufen.
Irgendwann im Oktober habe ich auf der Heimfahrt auch noch meine geliebtes Colnago Rennrad auf ein parkendes Auto gesetzt und dann wars vorbei mit der Radelei.
Es war eine komische Zeit. Gerade mal etwas mehr als ein Jahr in Berlin und immer noch keinen blassen Schimmer was ich so mit meinem Leben anfangen könnte.
Ich hatte zwar noch bis zum Sommer bei Else Bongers sporadisch Unterricht, aber so genau wie und was ich wollte......
Lost in Berlin.
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