Freitag, 2. Oktober 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 02. Oktober 2014


Den Rum Trader habe ich schon relativ früh mit Freund Dorin kennengelernt, aber ob wir Einlaß bekommen haben oder nicht, keine Ahnung. 

Das wars dann aber auch schon mit dem Rumtrader und mir.  


 

Aber was wußte, der junge Hans schon, wem er da begegnet ist. Herrn Hans August Schröder, dem Gründer des "INSTITUT FÜR FORTGESCHRITTENES TRINKEN". Der Mann der mutmaßlich Ian Flemming den berühmten Martini serviert hat. Gerührt und nicht geschüttelt.  

 

2001 eröffnete Michel Würthle neben der Paris Bar das Schwester Lokal Le Bar du Paris Bar.

Als Barchef wurde Gregor Scholl engagiert.

Auf meinen nächtlichen Streifzügen durch den Wilmersdorfer/Charlottenburger Kiez wurde die Le Bar du Paris Bar zum fester Anlaufpunkt. Die Gespäche mit Herrn Scholl waren immer ein reines Vergnügen. 

Ich kann leider nicht mehr nachvollziehen ab wann Herr Scholl nicht mehr in der Bar beschäftigt war. Auf meine Frage wo es ihn denn hingezogen hat, erwiderte man mir - er habe den Rumtrader übernommen.

Rumtrader, ist das nicht dieser kleine Laden Ecke Ludwigkirch/Fasanen. Das liegt doch genau in meiner "Heimflugschneise".

Am selben Abend gleich vorbei geschaut. Herr Scholl öffnet die Türe und ein freudiges "Herr Brückner, schön Sie zu sehen!" begrüßte mich.

Welchen Getränkewunsch haben Sie?

Einen Wodka auf Eis, bitte schön. (es ist eine Unverschämtheit in einer auf Rum spezialisierten Bar ein solch profanes Getränk zu bestellen).

Gerne Herr Brückner!

Die Bar war voll und wenn ich sage sie war voll, dann war "Maxium Capacity 100" als Warnschild nicht mehr zu sehen. In meiner Zeit hinter dem Tresen hatte wir 36 Personen im Raum und ich glaube an diesem Abend war es ähnlich gefüllt.

Das Getränk dauerte und dauerte. Als erfahrener Gastronom wußte ich, jetzt nicht drängeln, das kann Konflikte geben. Also war Geduld angesagt. Irgendwann bekam ich mein Getränk.

Herr Brückner, Ihre Stufe 2!


Zur Erklärung: Im Rumtrader gibt es 4 Rum Cocktails, in unterschiedlicher Stärke des Alkoholgehaltes. Wie anzunehmen ist die Stufe 1 die Leichteste, Stufe 2 geht gut und schnell ins Blut, die Stufe 3 hatte ich einmal mit meinem guten Freund Dr. Z versucht und ich kann nur für mich sprechen.....es war heftig und der Ärmste mußte am nächsten Tag auch noch mit dem Auto in den Urlaub fahren. Die Abreise verzögerte sich. Nun zur Stufe 4, sie hat den Beinamen "Charité" und ich glaube hier müssen wir nicht mehr weiter sprechen. Ich habe sie nie serviert und meines Wissens hat auch Herr Scholl davon Abstand genommen.

Dieses "Wodka auf Eis" Spiel wiederholte sich über mehrer Wochen, bis ich "klein beigegeben" habe und mich einfach meinem Schicksal mit der Stufe 2 ergab.

Jahre später an einem Samstag morgen nach einer turbulenten Schicht beim Lüpfen eines kleinen Cognacs und einen Glas Bollinger klärte sich dieses Mißverständis auf.  

Anfang September 2014 bin ich von Herrn Scholl gefragt worden ob ich nicht am Samstag die Türe machen könnte, es würde ihn sehr entlasten. Also übernahm ich an diesem Samstag, den sogenannten "Ehrendienst", der nur von zuverlässigen Stammgästen übernommen werden konnte.

Am 2. Oktober 2014 machten wird dann Nägel mit Köpfen und ich übernahm auf 450,--€ Basis diesen Dienst, es wurden vier wunderbare Jahre. 

Unvergessen sind mir auch die vielen Lesungen die ich Rum Trader veranstalten durfte. Angefangen von Heimito Doderes Betrachtung zum Rauchen über Gottfried Benns Gedichten zu Ankalina Dahlems
"In der Ferne taucht der Okotopus"
.


Und wer ein bißchen Recherche in der New York Times betreibt wird Herrn Scholl und mich in einem süffisantem Verriss finden. Der Kollege der mit den Journalisten Kontakt hatte war nicht lange im Hause tätig. Wir mußte sehr schmunzeln. 

 

 

Anfang Dezember 2018 war dann Schluß für mich im Rum Trader. Die doppelte Belastung mit Fahrdienst und Nachtschichten hinterließen bei mir Spuren.

Auch heute gehe ich noch gerne auf dem "Heimflug" gerne in den Rum Trader auf ein "Personalgetränk" in meinem Silberbecher. 


 P.S. 

auch das Hoo Koo E Koo war Gast, aber das wird glaube ich noch eine ganz andere Geschichte werden mit dem Rad und den Bars Berlin!


 

Sonntag, 20. September 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 20. September 2001

Ursprünglich sollte Karin die Türe in der Victoria  Bar machen, aber die Liebe hat sie nach Hamburg verschlagen. Und so wurde ich im Sommer 2001 auf ihren Vorschlag hin gefragt, ob ich nicht diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen möchte. 

Seit 1995 war ich regelmäßiger Gast in der Green Door am Winterfeld Platz. Stefan Weber und Beate Hindermann sowie Hermann versorgten uns "Abhängige" mit besonderer Hingabe. Und Karin an der Türe, die mit scharfem Auge dafür bekannt war eine besondere Mischung an Gästen den Zugang zu gewähren.

Wir trafen uns zur Abschlußbesprechung am 11. September 2001 so gegen 20 Uhr bei Stephan in der Wohnung und wir waren alle von dem was damals auf der anderen Seite des Atlantiks geschah erschüttert und verstört. 

Die große Frage war, kann die Bar wie vorgesehen am 20. September eröffnet werden?

Stefan und Beate entschieden: JA sie wird eröffnet. Wir lassen uns nicht einschüchtern von wem auch immer. 

Von da an stand ich Donnerstag, Freitag und Samstag an der Türe in der Potsdamer Straße 102.

Im Frühjahr 2003 kam Karin wieder aus Hamburg zurück und übernahm dann die Türe der Bar in gewohnter Strenge und wie immer mit einem sehr genauen und scharfen Auge.

Auch heute geh ich noch gerne zu Beat und lüpfe ein Bierchen mit ihr und dann eine Wilde Hilde nach Art des Hauses (2cl Wodka und ein Gläßchen Champagner) oder zwei...... 

Mittwoch, 16. September 2026

Mont Ventoux - Geschafft

Geschafft!

13:57 Uhr war ich dann am Ziel.

Mit dem Rennradvirus habe ich mich 2020 infiziert und bin so dem Corana Virus aus dem Weg gegangen.   

Als ich im April 24 mein Giant Propel bei bikeline kaufte hat mich dieser Berg in seinen Bann gezogen.

Hinter dem Verkaufstresen hing eine einfache Zeichnung ohne Titel, aber sofort war erkennbar, daß kann nur der Mont Ventoux sein. Über die Gespräche mit Maik, Matze und Willem von bikeline hörte ich heraus, daß dies eines der Touren sei, die ein Radrennfahrer absolvieren "muß".

2024 stand für mich aber erst einmal das 100km Rennen VeloCity Berlin auf dem Plan. Mindestanforderung war ein Schnitt von 25 km/h. Training war angesagt. Die Strecke habe ich mehrmals abgefahren und festgestellt - machbar.  "Begleiten" durfte mich mein Bruder Benjamin, den es schon viel früher mit dem Rennradvirus erwischt hatte.

Letztes Jahr stand dann für mich die Bodensee Umrundung auf dem Wunschplan. Gesagt gefahren! Traumhaft.

Zuvor war ich aber noch in Würzburg beim Bruder. Ich wollte mal sehen ob ich auch länger Steigungen bewältigen kann. Wir machten eine Tour zum Schwanberg. Länge der Steigung ca. 3 km. Ich kämpfte mich nach oben mit zwei Erholungspausen. Mein Gewicht betrug zu diesem Zeitpunkt ungefähr 95 kg. Zurück in Würzburg sprachen wir dann über das soeben erlebte und dabei viel von mir der Satz: ICH WÜRDE JA GERNE MAL AUF DEN MONT VENTOUX FAHREN.

Die lakonische Antwort meines Bruders: KOMM DU ERSTMAL AUF DEN SCHWANBERG.

Boooaaahhhh.....das saß tief.

Auf dem Weg nach Berlin reifte dann der Entschluß.

Mit den Jungens von bikeline gesprochen und die sagten: REGINA MARUNDE, das ist die Frau für solche Unternehmungen.

Frau Marunde angeschrieben und einen Termin zum Vorgespräch vereinbart.

Und dann gings auch schon los mit dem Training.

Ziel war 85 kg und in einem Rutsch nach oben.


Der geneigte Leser hat im Laufe der letzten Monate an meinen Trainingsleistungen teilnehmen können, aber soviel sei gesagt, ich habe sehr viel über mich durch das Training erfahren und gelernt. 

Ohne die medizinische Betreuung von Dr. Zeilinger, Dr. Laute und Dr. Yousefi wäre diese Unterfangen nicht möglich gewesen, denn ein untrainierter Körper meldet sich umgehend wenn was nicht so richtig läuft. Ohne diese hervorragenden Ärzte wär ich nicht um 13:57 Uhr oben angekommen.

Bruder Benjamin wurde über meine Vorhaben informiert und "verhaftet".

13. September Fahrt von Würzburg nach Beaumes de Venise. 

14. September lockeres einrollen mit 780 Höhenmeter....vor Monaten undenkbar gewesen.

15. September  Abfahrt 9:18 Uhr. Ankunft am Gipfel 13:57 Uhr. 

So ganz in einem Rutsch gings dann doch nicht, aber mit Demut und vielen Flüchen war es machbar.

Ich danke allen die mich bei der Erfüllung meines Wunsches unterstützt haben.

 


  

 


Montag, 14. September 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 14. September 1979

Kurz nach meinem 18. Geburtstag bin ich von Veitshöchheim nach Würzburg zur Resi Oma gezogen. Die Spannungen innerhalb der Familie waren einfach zu groß geworden. 

Meine Tätigkeit als Kellner und die damit einhergehende nächtlichen Dienste führten immer zu Konflikten. Gemeldet war ich aber immer noch in Veitshöchheim.

Vater rief bei Oma an und bat um einen Rückruf, es sei wichtig.

Hörer in die Hand genommen und dann die Nachricht bekommen: der Aufforderung zur Musterung im Januar nach zu kommen.

Na, gut, dann geh ich da hin und die werden mich schon nicht wollen. Hatte ich doch verschiedene Knochenbrüche und sonstige operative Eingriffe hinter mir. Aber dazu später mehr.

Gedanken über die Bundeswehr und was damit so zusammen hängt macht ich mir nicht, denn Vater war ja Hauptmann beim größten "Trachtenverein" Deutschlands. Sprich, eine Verweigerung des Wehrdienstes kamen in meiner Gedankenwelt nicht vor. 

Ich lebte mein Leben bei Oma und mit der nun schon zwei Monate dauernde Beziehung mehr oder weniger unbeschwert in der Kettelerstraße weiter. 

 

Samstag, 12. September 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 12. September 1991

 Wie ich zu diesem Job gekommen bin kann ich nicht mehr so genau nachvollziehen, aber vermutlich auf irgendeiner Party mit irgendwem gesprochen und durchblicken lassen,daß es finanziell gerade wieder sehr knirsch ist. 

Schau mal da vorbei, die suchen immer. Gesagt getan und in der Kolonenstraße bei Trend Test mich zum Vorstellungsgespräch angemeldet.

Der Raum war aufgeteilt wie eine Schulklasse, vom Arbeitsplatz ausgesehen saß vorne links der Schichtleiter und wir an unseren Einzeltischen vor ihm. 

Kurze Einweisung, dann einen halben Tag neben einer erfahren Interviewerin gesessen und gelauscht wie man Informationen am Telefon rauskitzelt.

Headset auf und los gehts.

Meine erste Umfrage hatte zum Inhalt, ob sich der Bundesbürger vorstellen kann mit einer fünfstelligen Postleitzahl umzugehen. Die Fragestellung der einzelnen Fragen war immer so angelegt, daß der Interviewte sich garnichts anderes mehr vorstellen konnte als eine fünfstellige Postleitzahl. Komisch...

Bei allen meinen Umfragen kam exakt genau das gewünschte Ergebnis des Auftraggebers heraus. Es ist eine sonderbare Welt in der wir leben.

Die Hauptzeit der Umfragen war immer ab 16 Uhr und ging bis 22 Uhr. 

Beliebte Frage des Angerufenen war: wie kommen Sie an meine Telefonnummer?  

Beliebte Antwort: aus dem Telefonbuch.

Viele Angerufene fühlten sich durch unsere Umfragen gestört und reagierten oft sehr heftig. Das schlug natürlich auch bei uns auf die Laune. Heute kann ich beide Seiten sehr gut verstehen, die die Angerufen wurden fühlten sich belästigt und uns gings einfach nur darum die Miete zu bezahlen.  

Die Tätigkeit bei Trend Test ging, soweit ich mich erinnern kann bis Anfang 1992 und dann ist es im Sande verlaufen. 

 Irgendwann im Oktober habe ich auf der Heimfahrt auch noch meine geliebtes Colnago Rennrad auf ein parkendes Auto gesetzt und dann wars vorbei mit der Radelei. 

Es war eine komische Zeit. Gerade mal etwas mehr als ein Jahr in Berlin und immer noch keinen blassen Schimmer was ich so mit meinem Leben anfangen könnte. 

Ich hatte zwar noch bis zum Sommer bei Else Bongers sporadisch Unterricht, aber so genau wie und was ich wollte......

Lost in Berlin. 

 

 

Montag, 7. September 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 07. September 2012

Am 7. September 2012 traf ich in der Werkstatt meines Vertrauens einen Mann der mir zwei Jahre zuvor aus der Patsche geholfen hat. Wir unterhielten uns und dabei kam zur Sprache, daß er Unterstützung in seinem Büro gebrauchen könnte.

Die Arbeiten die dort zu verrichten wären das Ordnen von Unterlagen, Telefongespräche entgegen nehmen, einfach Dinge die in einem Büro eines Finanzdienstleisters anfallen würden. 

Ich würde pro Stunde bezahlt und selbstverständlich Sozialversichert.

Zu diesem Zeitpunkt leitete ich schon das Orangelab auf Honorarbasis und steckte mitten in der Vorbereitung von meiner Veranstaltungsreiche 30 Tage Kunst, aber davon später mehr, sprich, ich war freiwillig Pflichtversichert bei der Techniker Krankenkasse.

Ich dachte mir, Hurra! Diese finanzielle Belastung hast Du erstmal von der Backe.

Am 10. September gings dann los.

Das Büro war ein einziges Chaos. Wie ich dann erfuhr hatte es Differenzen mit dem vorherigen Büro gegeben bei dem er Räumlichkeiten angemietet hatte. Seine "Klienten" hatte er mitgenommen und sich "selbständig" um sie gekümmert.

Soweit so gut oder ach....was weiß ich denn....

Nachdem wir den Arbeitsvertrag unterzeichnet hatten, nicht ohne vorher das Tätigkeitsfeld abzustecken und den Umfang meiner täglichen Arbeitszeit zu vereinbaren (je nach Bedarf bin ich im Büro) verschaffte ich mir einen Überblick über den Raum in dem ich nun Arbeiten würde. 

Es befanden sich dort vier Schreibtische, die über und über mit Unterlagen, Akten, Prospekten, Adresslisten, Rechnungen und Müll übersäht waren. In den Aktenschränken herrschte ein ähnliches Durcheinander.

Nun gut, dafür war ich eingestellt worden um hier für Überblick zu sorgen.

Nicht das mir die Tätigkeit viel Spaß und Freude bereitete, aber ich war versichert und wer einmal keinen Versicherungschutz hatte weiß wovon ich hier schreibe. 

Nach einiger Zeit stellte sich für mich eine gewisse Vertrautheit in dem was ich da so machte ein. Der Raum und die Schreibtische wurden wieder nutzbar und in den Aktenschränken war alles wieder übersichtlich eingeordenet. 

Probleme bereiteten mir die Telefonate. Nicht das ich scheu oder unbeholfen am Telefon wären, nein, die Anrufer waren selten freundlich. Sie waren agressiv, beschimpften mich und Herrn B. ließ sich immer verleugnen.

Im November hatte ich eine nicht zu unterschätzende Doppelbelastung. 

30TageKunst im Orangelab. 

Herr B. fragte mich schon im September ob nicht noch ein Termin für seine Frau frei währe, ich sagt ja, für die Kollegin doch immer, der Abend war dann auch recht gut besucht! 

Im Dezember kam dann zum ersten Mal das Geld nicht wie angekündigt. Dann wurde kurz vor Weihnachten mal Geld bar ausgezahlt.

 Anfang Januar forderte er mich auf,  telefonischne Kaltaquise zu machen. Nachdem ich ihm schon in unserem ersten Gespräch erklärte, daß ich an solchen Aktionen nicht teilennehmen würde veränderte er nun sein Verhalten mir gegenüber. Im Januar und Februar kam nun überhaupt kein Lohn mehr an mich. 

Ähmmm....okay, ich kenne solche Situationen und solange die GKV bezahlt wird kann ich warten.

Am 1. März 2013 hatte mein Bruder Benjamin Brückner eine Vernisage in Würzburg.

Am 26. Februar verabschiedet ich mich zu einem Dreh in Berlin und anschließend gings dann nach Würzburg. 

Am 2. März legte ich noch einen "kurzen" Stop in Braunschweig ein und das Leben bekam eine ganz neue Wendung, aber auch hier später mehr dazu!

Ich kam am 3. März so gegen 1:30 Uhr wieder in Berlin an. Öffnete den Briefkasten und fand dort zwei Briefe von Herrn B. Einmal eine ordenliche Kündigung zum 31. März und ein weiterer Brief mit eine fristlosen Kündigung.

Ich war baff.

Ein befreundeter Anwalt übernahm die Sache und am 15. Mai kam es zu einem Vergleich. Kündigung angenommen und das Geld stotterte er ab.

Soviel zu meinem Ärger mit einem Finanzdienstleister der Postbank/BHW. 

Im Jahr drauf erfuhr ich wie diese Gesellen vorgehen und wie sie Menschen übers Ohr hauen. Leider konnte Frau Blume und ich in ihrer Angelegenheit keinen Erfolg verbuchen.



 

Dienstag, 1. September 2026

365 to go - Erfolgreich unerfolgreich, ein Babyboomer geht in Rente - 01. September 1977

 Die Wochen vor dem 01. September waren gefüllt mit Besorgungen für den Arbeitsalltag.

Es mußten gekauft werden 

# 2 Paar schwarze Schuhe, denn nach jedem Arbeitstag sollten die Schuhe gewechselt werden

# 6 Paar schwarze Socken 

# 2 schwarze Hosen 

# 6 weiße Kellnerjacken, die Jahre später erst ihren richtigen Einsatz bekamen

# 6 weiße Hemden

# 1 Fliege

# 1 Kellnerbesteck

# 1 Kellnergeldbörse

So ausgestattet fand ich mich dann im Würzburger Ratskeller um 8 Uhr ein.

Genau an den Ablauf des ersten Tages kann ich mich nicht mehr erinnern, aber höchstwarscheinlich bekam ich einen Führung durchs Haus mit allen Abteilungen.

 Die ersten 6 Monate waren für mich hinterm Tresen vorgesehen. Keine Ahnung was da so zu machen ist. Eckart und Susi nahmen mich unter ihre Fittiche. So lernte ich wie ein Tresen aufgebaut ist, was sich alles in den verschieden Schubfächern verbirgt und wie selbige zu befüllen und zu reinigen sind. 

Der Tresen war in fünf Bereiche aufgeteilt:

# Ausschank von Bier, Wein und Softgetränken

# Ausgabe von warmen Speisen, sowie verschiedenen warmen Vorspeisen

# Kaffeestation, die ich haßte wie die Pest

# Dessertstation 

# sowie den Rücklauf

Als 16 jähriger Lehrling hatte ich immer Frühdienst und war für den Aufbau des Tresens mitverantwortlich. Verfickte Kaffeemaschine mit ihren vielen Knöpfen und Schalter sowie anderen beweglichen Anbauteilen. Ich haßte sie, sie flöste mir Angst ein mit ihrem zischen und gurgeln und dampfen und sie war verflixt heiß. Die Angst vor großen Maschinen und für mich war sie damals groß, sehr groß verlor ich erst später.

Bier zapfen, Weine einschenken, Essen ausgeben ging mir gut von der Hand, aber die Kaffeemaschine.....

Eine Tätigkeit mit größtem Unbehagen am Anfang machte war das Bier anstechen mit einem Dorn. Holy shit, mit wieviel Litern Bier ich mich da besudelte, ich will's nicht wissen. 

In meinen Aufzeichnungen fand ich noch eine Probezeitverlängerung aufgrund einer Radiusfraktur des Handgelenks, fragt mich nicht welche Seite, denn ich hatte beide Handgelenke zu dieser Zeit gebrochen.

Im Ratskeller gab es den Stammtisch gleich in der Nähe des Tresens und wie es nun mal an Stammtischen ist, es geht hoch und rund her. Ende September Anfang Oktober kam ich an einem Samstag morgen zum Dienst und die Schwägerin des Pächters prahlte mit 100 DM die sie am Abend vorher bei einer Wette gewonnen hatte, mit den Worten: und jetzt kauf ich meinem Sohn ein paar Schuhe!

Das Leben ging weiter, aber am 8. Oktober 1977 wurde dem Pächter fristlos gekündigt. 

Was war passiert? 

Der betriebsinterne Funk erzählte verschieden Versionen der Geschichte, belegt ist aber das es zu einem sehr unhygienischen Verhalten der Schwägerin an der Sahnemaschine kam. 

Und zack, war der Lehrvertrag mit verlängerter Probezeit perdu.

Es zog sich dann noch etwas hin und im Januar wurde dann ein neuer Pächter aus Baden-Baden installiert und im März gings dann weiter mit einer großen Begrüßungsfeier und ich vorn dran!

 

Meine Zeit hinter dem Tresen endete und ich wechselte in den Service. Ich hatte die Hosen gestrichen voll. Mit Menschen kommunizieren war nicht das Problem, eher, der Umgang mit dem Geld und die Gefahr sich zu verrechnen oder zu wenig Geld in der Börse zu haben. Essen falsch zu bestellen, Getränke zu vergessen und all das was auch heute noch zu Aufregern bei Gast und Kellner führt.

Unser Oberkellner brachte uns auf Vordermann und so konnte ich nach relativ kurzer Zeit meine Stationen gut betreuen.

Menschlich gesehen war er ungenießbarer Zeitgenosse, der körperliche Gewalt sowie sexuelle Übergriffe als Erziehungsmittel einzusetzen. Mehr als drei Kippen im Aschenbecher und es gab eine, zwei Schläge mit der Handkante in die Nierengegend. Eine gestellte Aufgabe nicht richtig verstanden oder nicht korrekt ausgeführt, wurde mit einer Kopfnuss "belohnt". Es begleitete mich immer die Angst zu versagen oder den Erwartungen nicht voll und ganz gerecht zu werden, Zuversicht auf das was da noch kommen kann war auf jeden Fall nicht vorhanden, dafür schon sehr früh ein Nikotinmissbrauch, sowie der Griff zum Bier und Schnaps. Die "Lieblingslehrlinge" wurden nach der Spätschicht immer gerne noch ins "BB" eingeladen, eine der zwei SchwulenKneipen in Würzburg, ja, so nannte man dies Früher. Ab und an durfte auch ich mit....mit Filmrissen und erheblichen verschwommenen Erinnerungen.

Was blieb mir noch in Erinnerung an die zweieinhalb Jahre im Ratskeller. 

Der 05. April 1979, ich hatte mittlerweile das 18. Lebensjahr vollendet und durfte immer öfter die Spätschicht bespielen. So auch an diesem Abend, einem sehr drögen und langweilig dahinsichenden Donnerstag. Dienstschluß für mich wäre gegen 23 Uhr gewesen. War es aber nicht, denn die Kollegin in der Nachbarstation war beim Geschäftsführer und so wurde ich noch mit vier weiteren leeren Tischen beglückt. Dienstschluß also dann um 1 Uhr. 

Nix da, kurz nach 0:00 Uhr ging die Türe auf eine eine "Horde" von schon gut angetrunkenen und mit sonstigen Stimulanzien angereicherteten stürmten in Station 3 und 4!

Ich war mäßig begeistert und aus heutiger Sicht bin ich gelinde gesagt mäßig begeistert über mich.

Die "Nina Hagen Band" gab sich die Ehre und ich Ignorant dachte da nur an meinen Feierabend. Aus heutiger Sicht habe ich mir an diesem Abend eine grandiose Party versaut.

Der Teildienst von 11:30 Uhr bis 14 Uhr und dann wieder von 17:30 Uhr bis 22:30 Uhr waren sehr unbeliebt. Was tun in den drei Stunden? Beim Rumstromern habe ich das "Rialto" in der Passage zwischen Grafeneckart und Domstraße entdeckt. Und hier entstand dann meine Liebe zu italienischen Kaffeespezialitäten. Haben wir nicht auch eine Kaffeemaschine mit allem drum und dran im Ratskeller....und schwuppst war sie weg, die Angst vor dem großen Gerät. 

Mein Umzug Anfang März 1979 von Veitshöchheim nach Würzburg zur Resi Oma in die Kettelerstraße brachte mir eine große Freiheit! So konnte ich immer nach Dienstschluß noch auf ein/zwei Abschlußgetränke im Pipers Pup vorbeischauen ohne in Konflikt mit den Eltern zu kommen. In der Nacht auf den 12.07.1979 traf ich dann meine erst große Liebe. Sie hatte einen wunderbaren VW-Käfer und einen ganz bezaubernden Stoffhund. Es wurden aus dieser Nacht fast vier Jahre mit allen Höhen und Tiefen. Ein verrückte Zeit.

 Wenn ich mir nun meinen Berufsausbildungsvertrag betracht, sagt er mir heute viel, wie mein weiteres Berufsleben aussehen wird.

Chaotisch!