Den Rum Trader habe ich schon relativ früh mit Freund Dorin kennengelernt, aber ob wir Einlaß bekommen haben oder nicht, keine Ahnung.
Das wars dann aber auch schon mit dem Rumtrader und mir.
2001 eröffnete Michel Würthle neben der Paris Bar das Schwester Lokal Le Bar du Paris Bar.
Als Barchef wurde Gregor Scholl engagiert.
Auf meinen nächtlichen Streifzügen durch den Wilmersdorfer/Charlottenburger Kiez wurde die Le Bar du Paris Bar zum fester Anlaufpunkt. Die Gespäche mit Herrn Scholl waren immer ein reines Vergnügen.
Ich kann leider nicht mehr nachvollziehen ab wann Herr Scholl nicht mehr in der Bar beschäftigt war. Auf meine Frage wo es ihn denn hingezogen hat, erwiderte man mir - er habe den Rumtrader übernommen.
Rumtrader, ist das nicht dieser kleine Laden Ecke Ludwigkirch/Fasanen. Das liegt doch genau in meiner "Heimflugschneise".
Am selben Abend gleich vorbei geschaut. Herr Scholl öffnet die Türe und ein freudiges "Herr Brückner, schön Sie zu sehen!" begrüßte mich.
Welchen Getränkewunsch haben Sie?
Einen Wodka auf Eis, bitte schön. (es ist eine Unverschämtheit in einer auf Rum spezialisierten Bar ein solch profanes Getränk zu bestellen).
Gerne Herr Brückner!
Die Bar war voll und wenn ich sage sie war voll, dann war "Maxium Capacity 100" als Warnschild nicht mehr zu sehen. In meiner Zeit hinter dem Tresen hatte wir 36 Personen im Raum und ich glaube an diesem Abend war es ähnlich gefüllt.
Das Getränk dauerte und dauerte. Als erfahrener Gastronom wußte ich, jetzt nicht drängeln, das kann Konflikte geben. Also war Geduld angesagt. Irgendwann bekam ich mein Getränk.
Herr Brückner, Ihre Stufe 2!
Zur Erklärung: Im Rumtrader gibt es 4 Rum Cocktails, in unterschiedlicher Stärke des Alkoholgehaltes. Wie anzunehmen ist die Stufe 1 die Leichteste, Stufe 2 geht gut und schnell ins Blut, die Stufe 3 hatte ich einmal mit meinem guten Freund Dr. Z versucht und ich kann nur für mich sprechen.....es war heftig und der Ärmste mußte am nächsten Tag auch noch mit dem Auto in den Urlaub fahren. Die Abreise verzögerte sich. Nun zur Stufe 4, sie hat den Beinamen "Charité" und ich glaube hier müssen wir nicht mehr weiter sprechen. Ich habe sie nie serviert und meines Wissens hat auch Herr Scholl davon Abstand genommen.
Dieses "Wodka auf Eis" Spiel wiederholte sich über mehrer Wochen, bis ich "klein beigegeben" habe und mich einfach meinem Schicksal mit der Stufe 2 ergab.
Jahre später an einem Samstag morgen nach einer turbulenten Schicht beim Lüpfen eines kleinen Cognacs und einen Glas Bollinger klärte sich dieses Mißverständis auf.
Anfang September 2014 bin ich von Herrn Scholl gefragt worden ob ich nicht am Samstag die Türe machen könnte, es würde ihn sehr entlasten. Also übernahm ich an diesem Samstag, den sogenannten "Ehrendienst", der nur von zuverlässigen Stammgästen übernommen werden konnte.
Am 2. Oktober 2014 machten wird dann Nägel mit Köpfen und ich übernahm auf 450,--€ Basis diesen Dienst, es wurden vier wunderbare Jahre.
Unvergessen sind mir auch die vielen Lesungen die ich Rum Trader veranstalten durfte. Angefangen von Heimito Doderes Betrachtung zum Rauchen über Gottfried Benns Gedichten zu Ankalina Dahlems
"In der Ferne taucht der Okotopus".
Anfang Dezember 2018 war dann Schluß für mich im Rum Trader. Die doppelte Belastung mit Fahrdienst und Nachtschichten hinterließen bei mir Spuren.
Auch heute gehe ich noch gerne auf dem "Heimflug" gerne in den Rum Trader auf ein "Personalgetränk" in meinem Silberbecher.
P.S.
auch das Hoo Koo E Koo war Gast, aber das wird glaube ich noch eine ganz andere Geschichte werden mit dem Rad und den Bars Berlin!



