Januar oder Februar 1977 am Frühstückstisch der Familie Brückner in Veitshöchheim.
In ungefähr drei Monaten wird die Abschlussprüfung an der Städtischen Handelsschule Würzburg in der Steinheilstraße geschrieben, vergleichbar mit der heutigen Mittleren Reife.
Alle Klassenkameraden meiner 10A, einer reinen Jungenklasse, hatten bereits zig Bewerbungen geschrieben. Sie wollten Bank-, Einzelhandels-, Großhandels- oder Speditionskaufmann werden. Vereinzelt fiel auch schon der Begriff EDV-Spezialist. Das sei die Zukunft.
Ich hingegen wusste nicht, was ich werden wollte. Noch nicht einmal, was mich wirklich interessierte. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Meine Eltern lagen mir ständig in den Ohren:
„Du musst dich entscheiden.“
„Du musst Bewerbungen schreiben.“
„Es wird bald zu spät.“
„Lehrstellen gibt es nicht wie Sand am Meer.“
„Die Konkurrenz ist groß.“
„Da kommen nur die Besten durch.“
Und dazu gehörte ich nun wirklich nicht.
Das zog sich über Wochen hin. Mir fiel einfach nichts ein.
Obwohl ...
Schauspieler, das wär doch was gewesen. Wollte ich doch seit frühester Kindheit in diesen Kasten. Mit diesem Wunsch traute ich mich aber nicht raus. Zu weit weg. Zu verwegen. Zu unrealistisch.
Beeindruckt hatte mich Jeff Bridges in „The Last American Hero“ als Junior Jackson. Eine Zeit lang war mein Spitzname deshalb sogar Junior.
Aber wie sollte ich dahin kommen?
Aussichtslos.
Dann erinnerte ich mich an eine Fernsehsendung, die nachmittags lief. Sie begleitete einen Jungen während seiner Ausbildung zum Kellner. Ja, damals hieß das noch so.
Und das gefiel mir.
Ja, das könnte doch was sein.
Nun zurück zum Frühstückstisch der Familie Brückner.
„Ich möchte Kellner werden.“
Vater und Mutter fielen aus allen Wolken.
Unser Sohn im weißen, labrigen Jackett in irgendeiner Bahnhofskneipe ...
Tja, was soll man machen?
Der Junge will das.
Vorstellungsgespräch gut gelaufen und am 01. September 1977 gings morgens um 8 Uhr los!
Am 1. September 2026 beginnt für mich das letzte Berufsjahr.
Dann liegen 49 Arbeitsjahre und mehr als 38 mehr oder weniger "legale" Beschäftigungsverhältnisse hinter mir, sowie unzählige Tätigkeiten als Schauspieler vor der Kamera, auf der Bühne, als Moderator, als Coach und und und...
In rund 75 Geschichten werde ich von Menschen, Abenteuern, Pleiten, Glücksfällen und einigen Entscheidungen berichten, die ich heute vermutlich anders treffen würde.
Begleitet mich auf den letzten 365 Arbeitstagen bis zur Rente.
Am 1. September 2027 habe ich dann tatsächlich 50 Jahre Berufsleben hinter mir.
Und was danach kommt?
Ehrlich gesagt: Diesmal habe ich wieder keinen Plan.
Aber genau das hat ja schon 1977 ganz gut funktioniert. 😉
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