Samstag, 4. Juli 2026

04. Juli 2024


 Der 03.07. ist für mich ein PartyTag. Mein Bruder feiert Geburtstag!


Hoch die Tassen!

So auch 2024. Er in Würzburg, ich Berlin! 

Doch an diesem Abend war etwas anders.

Einen Tag zuvor hatte mich Moritz, so gegen 17 Uhr, angerufen und mich gefragt ob ich wüßte wo Christoph ist.

Nö, keine Ahnung. 

Er erreicht ihn nicht und er mache sich Sorgen.

Ich aufs Fahrrad und bei Christoph vorbeigeschaut. 

Keiner macht auf.

Weiter in die Bar und wer sitzt da....Christoph.

Das war am 02.07.

Am 03.07. schrieb ich Christoph eine SMS - Bar Zentral?

Keine Antwort!

Nach Dienstschluß um 15:30 Uhr fuhr ich in der Bar vorbei und wer sitzt da.....Christioph.

Zigarre in der Hand und einen Espresso vor sich.

Er kurz angebunden - Detox!

SMS bekommen? Neee, hab das Handy verloren.

Ohhhh...shit!

Nö, schon okay.

Smalltalk

Er sei noch mit Moritz verabredet, so gegen 18 Uhr.

Noch zwei, drei "dumme" Sprüche und ich machte mich auf den Heimweg.

Zu Hause mit Benny auf den Geburtstag via facetime angestoßen und den Tag ausklingen lassen.

Ich war "hundemüde", fand aber keinen Schlaf.

So gegen 3:30 Uhr bin ich dann aufgestanden und durch die Wohnung gelaufen. Wir haben nun den 04.07.

Betrunken war ich nicht, aber der Boden wankte. Die Wände waren schief und schepps. Das SoWoH fühlte sich komisch an und auch auf meinem "Lümmelsofa" fand ich keine Ruhe.

Um 7 Uhr habe ich dann meinen Dienst angetreten.

Ich habe Routen durch die Stadt genommen die ich nie nehmen würde. Berlin war schepps, aus den Fugen.

Ohne Unfall durch den Tag gekommen und froh gewesen heil zu Hause angekommen zu sein.

Es ist 16 Uhr und Moritz ruft mich an.......

Christoph ist tot. 

Er starb um 3:20 Uhr in Brandenburg an einem Baum.

Du fehlst! 

Sonntag, 7. Juni 2026

Mont Ventoux - Training

Der März war ziemlich bescheiden. Ein Virus hat mich mal ganz elegant ausgebremst.

Im April war dann leichtes Training angesagt, aber dann im Mai gings wieder richtig los.

Regina Marunde hatte da was ausgearbeitet. 



 

 


Samstag, 21. März 2026

Silberhochzeit

Das letzte Auto das ich mein Eigen nennen konnte war ein roter MG Midget. Gekauft im Sommer 1989 in L.A. für "kleines" Geld und kaum 4 Wochen später für noch kleineres wieder verkauft.


Zurück in Deutschland war kein Geld vorhanden für ein Auto und als ich am 31.12.1989 in Berlin aufschlug war schnell klar, in dieser Stadt braucht der Hans kein Auto.

2001 hatte ich dann etwas Geld übrig und ich sah mich auf den verschieden Portalen um. Irgendetwas Kleines, so um die 3.000,--DM schwebte mir vor. Es sollte kein VW oder Opel werden und schon gleich garnienicht ein "Reisbrenner".

Ich klickte nur so zum Spaß auf Porsche und zack, da war er. 924S, Bj86, 130.000km, für schlappe 4.000,--DM.

Na, den Tausender werd ich auch noch finden. Also im Porsche Zentrum Eberwalde angerufen und einen Termin ausgemacht.

Steuerrückzahlung kam im März und schon war ich auf dem Wege zum Traumauto!

In die aufklappenden Scheinwerfer habe ich ihm versprochen, daß sich unsere Wege nur durch den TÜV trennen werden.


Das war heute vor 25 Jahren.

Ich habe durch diesen Wagen wahnsinnig viel gelernt, denn dieses Versprechen zwang mich zu Aktionen die bis dato nicht einmal in meinen wildesten Träumen vorkamen.

Vor drei Jahren hatte ich ihn mit Hilfe von guten Freunden komplett restauriert und seit dieser Zeit genießt er eine etwas ruhigers Dasein. Will sagen, er hat jetzt ein Saisonkennzeichen und einen kuschligen Tiefgaragenplatz.

Und im September machen wir dann nochmal ein Fläschen zu deinem 40. Geburtag auf.

So, Du wildes Ding, Du! 

Always pedal to the metal.....neeee, keine Angst, det war mal!

 



Dienstag, 24. Februar 2026

Mont Ventoux, Intervalle

 Soviel zum Thema Intervalle.

Das Wetter wird besser und ich freue mich schon auf die ersten Ausfahrten, den 60 Minuten auf der Rolle sind zwar schön mit Musik, aber es fehlt der Fahrtwind, die Geräusche, der Wald und und und..... 

Mittwoch, 28. Januar 2026

Mont Ventoux, Intervalle


1599 Höhenmeter auf 21,2 km wollen vorbereitet sein.

Ich liebe Intervalle.......


Sonntag, 18. Januar 2026

Mont Ventoux, Sonntagmorgen Routine


 

Seit Oktober 2025 betreut mich Regina Marunde, denn die 1580 Höhenmeter auf 22 Kilometer wollen vorbereitet sein. Wöchentlich erreicht mich nun am Sonntag ein Trainingsplan für die kommende Woche.
 
Freitag nach einer 8h Schicht war ich ziemlich ausgelaugt und habe die Füsse hochgelegt. Der Samstag war familiär belegt und jetzt darf ich schön alles nachholen.
Freu mich schon auf den Nachmittag, denn da erwartet mich auf ROUVY eine kleine Ausfahrt in Beverly Hills.


Jetzt erstmal alles schön aufgehängt und frühstücken!

Details are coming up!

 
Done.

Montag, 12. Januar 2026

ANOTHER GERMAN TANK STORY - Suchspiel

 

ANOTHER GERMAN TANK STORY

Wir sind beim Jupiter Award nominiert!

HIER KLICKEN

 

Seite 5, rechte Spalte, dritter Film von oben.

Wer mich findet bekommt ein Eis!

Mittwoch, 7. Januar 2026

Mont Ventoux, kleine Historie meiner Fahrräder

Mein erstes Rundrennen in Mayen in der Eifel!


Zellingen an der Aral Tankstelle!
 
Veitshöchheim Heidenfelderstr.22
 

 
1988 hatte ich mir ein rotes Colnago Rennrad gekauft, leider habe ich versäumt....ach wir hatten ja nix.....zerlegt habe ich es dann im Oktober 1990 in der Kolonnenstraße....zack, stand da ein Auto.....

1992 im August das Gary Fisher Hoo Koo E Koo bei FNC in der Mommsenstraße gekauft.
 
2016 BBF Urban
 
 
2017 Zwischenlösung
 

2020 Scott Addict 10, der Beginn der radverrückten Zeit!

  

2021 Bombtrack Tension1, Hans braucht ja was fürn Wald! 

2024 Giant Propel One, N+1
 

Seit gut sechs Jahren steigert sich meine mit dem Rad gefahrenen Kilometer. Hätte mir dies jemand vor Corona gesagt, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Ich war gerne und viel mit dem Hoo Koo E Koo unterwegs, habe mit ihm viele Kneipen und Bars besucht, aber was ich mit meinen Rennrädern erlebte und erlebe ist einfach unbeschreiblich.

Details are coming up!

Ride on, ride on and shut up legs.

 

Freitag, 2. Januar 2026

Mont Ventoux

Das Ziel ist der Mont Ventoux.

Und dieses Fahrrad wird mich begleiten.

 

 
Trainingsbeginn war Anfang November, aber wie es ab und an im Leben läuft, kam dann dies und jenes dazwischen und zack, hab ich mal schnuckelige drei Wochen nix machen können. Irgendwie war dann auch noch Weihnachten und Silvester....nun, mogen gehts dann wieder konzentriert zur Sache.
 
 
Und noch was, der Traum wurde realisiert. 
Das Beast wurde komplett restauriert!
 

 


 

Mittwoch, 15. Juli 2020

Träume

24h vom Nürburgring 1966
Dieser junge Mann  hatte viele Träume, einige konnte er verwirklichen, andere hat er wieder vergessen. Einer davon war einmal am 24h Rennen vom Nürburgring teilzunehmen, daß hat nicht ganz geklappt, dafür aber mehrmals die 24h von Berlin in Jüterbog, 24h von Waldow und auch die 24h von Can Picafort. Jetzt steht er gut 53 Jahre später vor der Realisierung eines weiteren Traumes. Und das hat mit der Firma Haberbosch aus Zellingen zu tun, aber dazu später mehr.
Und jetzt darf geraten werden um welchen Traum es sich handelt. Der Sieger oder die Siegerin bekommt ein Eis.

Montag, 1. Juni 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XVII

....und er sagte zu mir: "Hans, lets shoot this quick and dirty".

Auch ihr Film dürfte nur ein weiterer Film aus der Goltzstraße gewesen sein, einer der vielen Café-Mitropa-Filme, von mir seinerzeit zum eigenständigen deutschen Genre erklärt. Im Fernsehen gab's in dieser Phase jeden Monat mindestens einen Goltzstraßenfilm zu sehen, mit einer ganz eigenen Schöneberger Ästhetik. Experimente wie ein mit der sogenannten Helm-Kamera gefilmer Kochfilm, dazu etliche schnittheroretisch weiterführenden Flackerfilme, in denen die Mauer tausende Male rhythmisch aus der Erde springt, Agitprop-Dramen, die in schludrig errichteten Bambushütten eines vietnamesischen Bauerndorfs im Tiergarten spielten - aus dem Mitropa direkt ins ZDF. "Das kleine Fernsehspiel", hieß die Sendereihe, immer freitags um halb elf, auch mit verwackelten Schwarzweißbildern aus der Tiefe zugemüllter Westberliner U-Bahnschächte - eine leicht herzustellende, grundsätzliche Kritik an den Verhältnissen, an Verwahrlosung und Elend, versteht sich.

Alle Macht der Super Acht.....
Der Thrill der düsteren Vergangenheit...oder: Honigsaugen aus überwucherten Ruinen...
.... Bring deinen Beitrag einfach mal vorbei.

Aus "Gutgeschriebene Verluste" von Bernd Cailloux aus 2012.

Samstag, 30. Mai 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XVI




Tja, dann muß eben drum gekämpft werden.....ob wir vergnügungssüchtige Volk dass hinbekommen?


SCHIRACH

Stellen Sie sich vor, dass Sie morgen nach New York fliegen wollen. Zwei Flugzeuge stehen dafür bereit. Um in das erste Flugzeug einsteigen zu können, müssen Sie sich sehr streng kontrollieren lassen. Ihr Gepäck wird durchleuchtet, Sie müssen sich ausziehen, Ihr Laptop wird geöffnet, die letzten E-Mails durchgesehen, Ihr Handy wird ausgelesen. Das Ganze dauert zwei Stunden. Das zweite Flugzeug können Sie ohne jede Kontrolle betreten. Welches Flugzeug wählen Sie? Tatsächlich werden die meisten Menschen das erste Flugzeug nehmen. Sicherheit ist uns näher als Freiheit. Das erklärt die hohe Zustimmung der Bevölkerung zu immer härteren Maßnahmen. Mich beunruhigt diese Tendenz.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XV

La Luna, la bella luna....
Aus "Moonstruck"


3. Das Apollo-Erbe

EIN GEFÄHRLICHER AUFENTHALTSORT

Der Mond wird auch heute noch bombardiert, wenn auch deutlich weniger als früher. Über die vergangen Jahrzehnte haben verschiedene Observatorien Videokameras auf den Mond gerichtet. Diese suchen nach den hellen Lichtblitzen, die auftreten, wenn kleine Asteroiden auf den Mond prallen. Dabei werden zwei Teleskope gleichzeitig eingesetz, sodass ein Einschlag zeitgleich von beiden Kameras registriert werden muss, um aufgezeichnet zu werden. Mit dieser Methode hat man jährlich Hunderte weiterer Einschläge bestätigen können.

Aus "MOND" von Ben Moore aus 2019.

Samstag, 9. Mai 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XIV

Alles bleibt gleich, nix ändert sich außer die Geschwindigkeit der Kommunikation.....Verwirrung.....

MAI

Eine warme Frühlingsnacht in Wien: Arthur Schnitzler streitet sich so sehr mit seiner Frau, dass er am 25. Mai davon träumt, sich zu erschießen. Es wird nix draus. In derselben Nacht in Wien erschießt sich Oberst Redl, weil er der Spionage überführt worden ist. In derselben Nacht in Wien packt Adolf Hitler seine Sachen und besteigt den ersten Zug nach München. Die Künstlergruppe «Die Brücke« löst sich auf. In Paris feiert Strawinsky mit «Le sacre du printemps« Premiere - er sieht das erste Mal seine spätere Geliebte Coco Chanel. Brecht langweilt sich in der Schule und hat Herzklopfen. Drum fängt er an zu dichten. Alma Mahler flieht das erste Mal vor Oskar Kokoschka. Rilke streitet sich mit Rodin und kommt nicht zum Schreiben.

Aus "1913 DER SOMMER DES JAHRHUNDERTS" von Florian Illies aus 2012

Dienstag, 5. Mai 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XIII

Auf die Frage was sich geändert hat......

"......Aber, pfui Teufel" - er spie dabei kräftig aus - "ja, pfui Teufel sage ich, was für ein Dreck ziehn sie da über die Leinwand! Eine Schmach ist das für die Kunst, eine Schmach für die Welt, die einen Shakespeare und einen Goethe hat! Erst kam da so ein farbiger Blödsinn mit bunten Viechern - na, das sag' ich noch nichts, das macht vielleicht Kindern Spaß und niemandem Schaden. Aber dann machen sie einen 'Romeo und Julia', und das sollte verboten sein, verboten im Namen der Kunst! Wie das nur klingt, die Verse, als ob sie einer aus dem Ofenrohr quäkte, die heiligen Verse Shakespeares, und wie das verzuckert ist und verkitscht! Aufgesprungen wär ich und davongelaufen, wenn's nicht wegen dem Herrn Graf gewesen wär' der mich eingeladen hatte. So einen Dreck, so einen Dreck zu machen aus dem lautersten Gold! Und unsereins muß leben in so einer Zeit!"

Er faßte das Bierglas, tat einen kräftigen Zug und stellte es so laut zurück, daß es krachte. Seine Stimme war jetzt ganz laut geworden, er schrie beinahe. "Und dazu geben sich die Schauspieler von heut her - für Geld, das verfluchte Geld spucken sie Shakespearverse in Maschinen und versauen die Kunst. Da lob' ich mir jede Hur' auf der Straße! Vor der letzten hab' ich mehr Respeckt als vor diesen Affen, die ihre glatten Gesichter metergroß auf die Plakate picken lassen und sich Millionen scheffeln für das Verbrechen, das sie an der Kunst tun. Die das Wort verstümmeln, das lebendige Wort, und Shakespearverse in einen Trichter brüllen, statt das Volk zu erziehen und die Jugend zu belehren. Eine moralische Anstalt, so hat Schiller das Theater genannt, aber der gilt ja nicht mehr. Nichts gilt heut mehr, nur das Geld, das verfluchte Geld, und die Reklame, die einer mit sich zu machen versteht. Und wer's nicht verstanden hat, der krepiert. Aber besser krepieren, sag ich, für mich gehört jeder an den Galgen, der sich verkauft an dies verfluchte Hollywood! An den Galgen, an den Galgen!"

Aus "Phantastische Nacht" von Stefan Zweig aus 1922

Dienstag, 28. April 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XII

So vieles scheint geklärt und alle wissen alles, um dann überrascht festzustellen das Fragen über Fragen bleiben.

Und genau das macht den Aal so einzigartig. Immer wieder sah sich die Naturwissenschaft mit Rätseln konforntiert, aber wenige haben sich so lange gehalten wie das des Aals. Und das nicht nur, weil er - aufgrund seines seltsamen Lebenswandels, seiner Lichtscheu, seiner Metamorphosen und seines umständlichen Verhaltens bei der Fortpflanzung - ungewöhnlich schwer zu beobachten ist. Er ist darüber hinaus auf eine Weise geheimnisvoll, die beinahe bewusst und notwendig erscheint. Selbst wenn es einem gelingt, ihn zu beobachten, selbst wenn man ihm ganz nahekommt, schein er sich doch zu entziehen. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen Zeit und Mühe darauf verwendet haben, ihn zu studieren und Erkenntnisse über ihn zu gewinnen, müssten wir längst viel mehr über ihn wissen. Dass wir es nicht tun, ist geradezu unerklärlich. In der Zoologie spricht man deshalb gern von der "Aalfrage".

Aus "Das Evangelium der Aale" von Partik Svensson aus 2019

Montag, 27. April 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" XI

Nicht nur Tagesmotto!

Schneller, als wir alle glauben möchten, könnte ein Zeit kommen, da die Systeme der industriellen Landwirtschaft und des Welthandels zusammenbrechen und es mehr Menschen ohne als mit Dach über dem Kopf geben wird. Dann werden Begriffe wie "ökologische, regionale Landwirtschaft" und "starke Gemeinschaften" keine hohlen Schlagwörter mehr sein. Freundlichkeit gegenüber dem Nächsten und Achtsamkeit gegenüber der Umwelt - Förderung gesunder Böden, ein vernüftiger Umgang mit Wasser, Schutz von Bienen und anderen Bestäuberinsekten - werden in einer Krise und in jeder Gesellschaft, die sie übersteht, wesentliche Bedeutung erlangen. Eine Initiative wie das Homelss Garden Project gibt mir die Hoffnung, dass die Zukunft, selbst wenn sie zweifellos schlechter sein wird als die Gegenwart, in mancher Hinsicht auch besser sein könnte. Vor allem aber gibt sie mir Hoffnung für heute.

Aus "WANN HÖREN WIR AUF, UNS ETWAS VORZUMACHEN?" von Jonathan Franzen von 2019

Sonntag, 26. April 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" X

Systemrelevant?

19 

Und dann hat Milo ihm in einer halben Stunde mehr über das Fußballbusiness beigebracht, als er in all den Jahren davor verstanden hatte, über den Einfluss von Ausstattern, über Sponsoring-Deals, Absatzmärkte, Selbstdarsteller und die verschiedenen Einflussgruppen im Aufsichtsrat und im Präsidium von Real Madrid, und statt Milo in die Goschn zu hauen, wie er es sich vorgestellt hatte, statt ihn zu Rede zu stellen, hat Ivo sich gefreut, dass jemand ihm erklärt, was er offensichtlich nicht verstanden hatte. Er hat sich gut aufgehoben gefühlt bei Milo, und irgendwas ist auch bei Milo passiert, sonst hätte er Ivo nicht noch immer als Klient, obwohl er mit jedem 20-Jährigen, den er transferiert, mehr verdient als mit Ivo in dessen ganzer Karriere. 

Freitag, 24. April 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" IX

Ich trat aus dem Wald, auf ein zu geschneites Feld. Im Sommer hatten wir hier mal einen riesigen Hasen gesehen, Fieder und ich, genau am Waldrand. Er hockte auf einmal vor uns und glotzte uns an, oder durch uns durch. Erstaunt oder kurzsichtig, wir konnten den Blick nicht deuten. 
Dann drehte der Hase den Kopf zu den Gräsern und fing an rumzumümmeln, warschrscheinlich überzeugt davon, dass er sich uns bloß eingebildet hatte.
Das Feld zog sich weiter den Hang hoch. Oben setzte ich mich in den Schnee.
Am liebsten wäre ich so ein Kartoffelsackbehinderter gewesen. Dann hätte ich einfach verweigert und Zivildienst gemacht und hätte nicht nach Berlin abhauen müssen. Eigentlich wollte ich garnicht nach Berlin. Eingentlich fand ich Berlin total scheiße. Die Leute waren scheiße, die vollen Straßen waren scheiße, das Scheißwetter war scheiße, alles.

Aus "Auerhaus" von Bov Bjerg von 2017

Donnerstag, 23. April 2020

Lesen in Zeiten von "Corona" VIII

Erst ein Jahr kein Buch angerührt und dann.......

Nun vermuten Sie wahrscheinlich, ich hätte sofort das Buch gepackt, betrachtet, gelesen. Keineswegs! Erst wollte ich die Vorlust auskosten, daß ich ein Buch bei mir hatte, die künstlich verzögernde und meine Nerven wunderbar erregende Lust, mir auszuträumen, welche Art Buch dies gestohlene am liebsten sein sollte: sehr eng gedruckt vor allem, viele, viele Lettern enthaltend, viele, viele dünne Blätter, damit ich länger dran zu lesen hätte. Und dann wünschte ich mir, es sollte ein Werk sein, das mich geistig anstrengte, nichts Flaches, nicht Leichtes, sondern etwas, das man lernen, auswendig lernen konnte, Gedichte, und am besten - welcher verwegene Traum! - Goethe oder Homer. Aber schließlich konnte ich meine Gier, meine Neugier nicht länger verhalten. Hingesteckt auf das Bett, so daß der Wärter, wenn er plötzlich die Tür aufmachen sollte, mich nicht ertappen könnte, zog ich zitternd unter dem Gürtel den Band heraus.

Aus "Schachnovelle" von Stefan Zweig aus dem Jahre 1943